CLEOPHA87 - Die Geschichte

Niemand sollte fragen was zuerst da war, das Ei, oder das Flattervieh.
Auf alle Fälle begann alles in den frühen 70er Jahren.

Mit zarten 14 Jahren betrat Walter Holtfoth mit seiner ersten Band - in der Schule- , inspiriert von all den Großen jener Zeit die Musikbranche. Weit weg vom deutschen Schlager orientierte er sich immer gerne an der Folk und Rockszene jener Zeit. Dylan, Joan Baez, Cat Stevens waren neben den Lp's von Hendrix, Tull und Pink Floyd die ersten Sammlerstücke die seinen Plattenteller regelmäßig bewohnen durften. Die Beatles lagen ihm eh schon immer näher als die Stones. Er zählte sich immer gerne zur Weichspüler-Fraktion, wenn man das überhaupt so darstellen kann.

Als Jugendlicher entfloh er, wie seine Freunde damals, gerne der "heilen" Welt des Elternhauses. Waren es zunächst noch die eigenen Räumlichkeiten und die ersten Plattenspieler jener Zeit (Dual), so war es schon bald mit 15 Jahren der "Schuppen" in Rust, der schnell seine zweite Heimat werden sollte. Nichts bot sich besser an als diese herrliche Diskothek. Damals hatte man wohl den halben Baumbestand des Taubergießens verbaut. holzig, urig, einfach, gemütlich. Kein Vergleich zu den heutigen kommerziellen Zahnspangen-Tanztempeln mit getränkemäßiger Abzockgarantie und klamottentechnischem Stylezwang. Nein, sondern schlicht, einfach und dem totalem Spirit jener Zeit. Heute würde man sagen, es war einfach alles nur geil.

Das Gemeinschaftserlebnis war Pflicht, das WIR-Gefühl wohl die Infizierung mit dem Virus den wir heute den Cleopha-Virus nennen. Es waren auch Walter's Anfänge, selbst Schallplatten in die Hand zu nehmen und immer wieder kleine Feten und Partys zu machen. Irgendwann ergab es sich, dass ein damaliger DJ eine Runde mit einer Tänzerin außerhalb des Schuppens tanzen wollte. Es war der Beginn der freien Liebe, die Walter zu seinem ersten Job in einer Diskothek verholfen hatte.

"Ich will mal mit ihr tanzen, könntest Du so lange Musik machen?". Nicht dass sie so lange "nur" getanzt hätten, nein aber aus dieser halben Stunde ist ein ganzes Leben für den Rock n' Roll geworden.

Nach langer Bandarbeit musste der "Mann mit Hut" feststellen, dass ihm das Auflegen immer die gleiche Befriedigung verschaffte, wie das selbst singen. Richtig los ging es im "Drivolli" in Herbolzheim. Er sagt noch heute mit erfrischender Selbstironie dazu :"...ich war jung und brauchte das Geld".
Auf eine Zeitungsanzeige hin bewarb er sich unkonventionell und schlug mit einer Holzkiste Schallplatten aus der siebziger Rockzeit auf, nichtwissend, das Disco etwas völlig anderes ist. "Was willst du denn mit dem alten Krampf", Walter erinnert sich noch heute lächelnd an diese Worte. Dennoch bekam er die Chance. Roland Müller war sein erster wirkliche Mentor. Legte er ihm einfach Single für Single der Chartbreaker jener Zeit auf einen Stapel und meinte "so wie sie da liegen, so spielst du sie ab. Und dann einfach plappern und die Leute unterhalten." Plappern ups.. wenn er das wollte bitteschön. Sie brauchten damals einen Mann für die Hitparade Dienstags. Wenn Walter heute keine Angst mehr hat ein Mikro in die Hand zu nehmen, dann denkt er dankbar an die Brüder Müller und ihrem grenzenlosen Vertrauen dass sie in sein Talent steckten.

Nach ein paar Hitparaden lies man ihn dann auch, inzwischen vertraut mit den Hits jener Zeit (wie CC Catch und was sonst noch alles in war, am Mittwoch dran, später Donnerstags, Freitags. Zur Krönung dann an den Haupttag, dem Headliner der Woche, dem Samstag. Sehr gerne erinnert er sich auch an die Kinderfeten Sonntag-Nachmitags zurück. Die damaligen Hörer dürften heute Ende Dreißig sein.

Es kam die Zeit dass, die Diskothek (Drivolli) an einen echten Macher jener Zeit verkauft wurde. Bodenseeschwabe, Gastronom, Visionär, Lebemann, ein großartiger Kerl. Walter durfte bleiben für ihn das Wichtigste, um der Passion weiter nachgehen zu können. Karl Heinz Paschold und Walter sie hatten viel gemeinsam. Dem Kind sollte ein neuer Name gegeben werden, und Walter als alter Rocker wollte und konnte einfach nicht von der Überzeugung seiner Musik lassen. Das Atlantis in Basel war für ihn die Rock-Kneipe schlechthin. Es brauchte eine Weile bis er sich Durchsetzen konnte. Was aus dieser Namensgebung wurde, kann immer noch jeder nachempfinden wenn er heute nach Herbolzheim ins "At" zum Toben geht.

"Es war eine tolle Zeit, und ich wünschte mir manchmal einen Typen, der mal eben schnell ne halbe Stunde für mich übernehmen könnte. War nie einer da und dennoch kam ich auf meine Kosten, in jeder Hinsicht".

Schlimm wurde es Ende der Achtziger. Walter hatte absolut keine Lust mehr, Modern Talking und alle musikalischen Brechreize jener Zeit aufzulegen, nur weil es aktuelle Chart-Hits waren. Der Gedanke etwas eigenes zu machen war da, und es galt dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Er wollte auf Teufel komm raus die alte Zeit wieder haben, bevor sie in Vergessenheit geriet. Da war mal Musik wollte er sagen und er wollte auf einfache Art beweisen dass Deep Purple, oder Led Zeppelin absolut beständiger waren als alle Sternchen, One-Hit-Wonder und Eintagsfliegen jener Zeit.

Nun der Schuppen (tatsächlich "Löwen" in Rust) in dem Walter Musik machte fiel irgendwann dem Discoboom der späten 70er Jahre zum Opfer. Aufgrund seiner schicksalhaften Lage in der Kleofa-Straße hatte der Schuppen schon in den Siebzigern den Namen Kleofa weg. Walter - als kreativer Kopf bekannt - nichts lag näher als diesen Bezug zwischen der Straße und der "Sache" herzustellen. Nur, der Name "KLEOFA" sah auf jedem Plakatentwurf oder Flyer einfach nur fürchterlich wenn nicht sogar zum k..... aus! Walter besann sich, gedachte einfach der alten Griechen, und gab dem Ganzen einen flockig-lockeren Mittelmeertouch. Damit war CLEOPHA geboren. Die Zahl 87 kam hinzu, und schon war jede Verwechslung im Keim erstickt.

CLEOPHA87 Ein Name, ein Mann und ein unverwechselbares Programm.



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